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248 Seiten
farbige Abbildungen
13 x 21 cm
gebunden
2009
lieferbar
ISBN: 978-3-7995-0197-2
€ 22,90
sFr 41,50
PDF-Dateigröße: 74 kB
Thomas Kramer
Der Orient-Komplex
Das Nahost-Bild in Geschichte und Gegenwart
Autoren wie Karl May, Thomas Mann oder T. E. Lawrence, der legendäre »Lawrence von Arabien«, Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart, Regisseure wie Ridley Scott oder Pop-Gruppen wie Boney M. haben alle etwas gemeinsam – sie beeinflussten und beeinflussen unser Orient-Bild mehr, als dies wissenschaftliche Berichte oder Dokumentationen je könnten.
Thomas Kramer entwirft ein Panorama medialer Wahrnehmung des Nahen Ostens in der abendländischen Kultur zwischen Antike und Gegenwart. Er beschränkt sich dabei nicht auf den akademischen Bereich und die Produkte des „literarischen Höhenkamms“, sondern erweitert den Blickwinkel um das breite Spektrum der Populärkultur. Der Leser wird überrascht sein, wie sehr Unterhaltungsmedien wie Abenteuerromane, Filme oder Computerspiele landläufige Orientbilder auch heute noch im Zeitalter der aktuellen Berichterstattung prägen.
• Provokant und informativ
• Ursachenforschung zu einem aktuellen Konflikt
• Das Orient-Bild in Geschichte und Gegenwart
REZENSIONEN
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. November 2009
»Die Materialsammlung Kramers beeindruckt. Seine vorhergegangene intensive Beschäftigung mit Karl May und der Populärkultur der DDR ermöglicht Schwerpunktsetzungen, die tatsächlich weit außerhalb des von Said und dessen Epigonen ausgeschrittenen Themenkreises liegen. Wie heißt es zum Auftakt? »Lara Croft und ihr amerikanischer Kollege Professor Henry Jones Jr., besser bekannt als »Indiana Jones«, können die Welt vor dem Missbrauch morgenländischer Mysterien retten, weil sie sich in der gesamten Kulturgeschichte auskennen.« Aus demselben Grund kann uns Kramer vor abendländischen Missverständnissen retten.«
www.literaturkritik.de, Mai 2009
»Der Orient. Seit Jahrhunderten fasziniert dieses geografisch nicht eindeutig lokalisierbare Gebiet seinen »westlichen Gegenpol«, den Okzident. Die Gefühle des Abendlandes dem Morgenland gegenüber schwanken dabei zwischen Anziehung und Abscheu, denn der Orient wird einerseits als fremd, statisch, geschichtslos, rückständig und verwildert dargestellt, versinnbildlicht aber gleichzeitig auch das Fantastische, Geheimnisvolle, Romantische und Erotische. Laut den Thesen des amerikanisch-palästinensischen Literaturwissenschaftlers Edward Said besteht der Orient gar nicht, sondern ist eine reine Konstruktion des »Westens«, eine westliche Denkart, die zum Zweck der Selbstdefinition eine strikte Trennlinie zwischen dem »Eigenen« (Westen) und dem vermeintlich »Anderen« (Orient) zieht. Um die Pole »Eigenheit« und »Fremdheit« überhaupt festschreiben zu können, musste zunächst ein Bild des »Anderen« festgeschrieben werden, das in extrem vereinfachten und überspitzten oder aber gänzlich fiktiven Darstellungen präsentiert wurde. Alle in der »westlichen« Welt entstandenen Darstellungen des Orients sind laut Said Gegenstand des Orientalismus, des Diskurses über den Orient.
Diesen bei Said zentral stehenden Terminus greift Thomas Kramer in seinem Buch »Der Orient-Komplex. Das Nahost-Bild in Geschichte und Gegenwart« auf. Anhand eines Korpus an kulturellen Zeugnissen, der sich aus Werken zusammensetzt, die aus der Antike bis in die Gegenwart stammen, untersucht der Autor das spezifische Bild des Orients in europäischen und amerikanischen Medien. Während Said in seiner 1978 zum Thema erschienenen Studie »Orientalism« den deutschen Orientalismus gänzlich ausklammert und sich nur mit orientalistischen Manifestationen im französischen und britischen Kontext beschäftigt, bezieht Kramer das in Deutschland vorherrschende Orient-Bild explizit in seine Darstellung ein. Weiterhin interessiert ihn, wie sich der Diskurs rund um den Orient die Jahrhunderte hindurch entwickelt hat und wo die Wurzeln verschiedener heute noch vorherrschender Stereotype liegen. Auch die Verarbeitung historischer und kultureller Ereignisse, die für das Verhältnis zwischen Orient und Okzident bedeutend sind, in zeitgenössischen und aktuellen Medien, wird kritisch betrachtet. Das Spektrum der herangezogenen Zeugnisse und Themenkomplexe reicht dabei vom Bild der Perser im Werke der großen griechischen Dramatiker über die Präsentation der Kreuzzüge im Mittelalter bis zum Gebrauch orientalischer Stereotype in Klassikern von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Thomas Mann sowie den unzähligen Bearbeitungen orientalischer Stoffe in Werken der deutschen Oper des 17. und 18. Jahrhunderts. Kramer begnügt sich aber nicht mit einer Analyse akademischer und hochliterarischer Auseinandersetzungen mit dem Orient, sondern greift auch Beispiele aus der Populärkultur und Trivialliteratur heraus, wodurch Abenteuerromane des 19. Jahrhunderts ebenso besprochen werden wie Comics, Hollywood-Blockbuster und Computerspiele.
Diese Erweiterung des Blickwinkels und der respektvolle Umgang mit kulturellen Manifestationen jeglicher Art - ob nun der »hohen« oder der »niederen« Kultur zugehörig - gewährleisten eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Kramer illustriert des Weiteren, wie eng orientalisierendes Denken mit antisemitischen Vorurteilen verknüpft ist und unterstreicht diese Feststellung durch Beispiele aus dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus.
»Der Orient-Komplex. Das Nahost-Bild in Geschichte und Gegenwart« überzeugt durch seinen informativen Charakter und durch die tiefgründige Auseinandersetzung des Autors mit einem ebenso komplexen wie wichtigen Thema.«
Der Landbote, 13. August 2009
»Das »Image« des Orients
Seien wir doch mal ehrlich: Woher wissen wir, dass es im Islam eine schiitische und eine sunnitische Richtung gibt? Aus dem Religionsunterricht vielleicht? Wohl kaum. Schon viel eher aus den Medien oder (noch viel wahrscheinlicher) einem der Orientromane von Karl May. Populäre Medien, vom Roman über Filme bis zu Computerspielen haben das Orientbild des Abendlandes mehr geprägt als dies wissenschaftliche Berichte oder Dokumentationen je könnten. Thomas Kramer, Dozent und Autor aus Berlin, hat sich dieser unterschiedlichen Orientbilder angenommen, die das westliche Bewusstsein (oder Unterbewusstsein) prägen (und nicht selten ängstigen). Diese Bilder sind vielfältig und wandelbar, denn »der Orient« wurde immer je nach politischer und gesellschaftlicher Großwetterlage im Abendland entweder als Märchenwelt oder als rückständig und als Hort des Terrorismus stilisiert. Diese These, dass der »Orient« im Westen immer nur als Projektion und nie als Realität existiert, ist nicht neu, das räumt selbst der Autor ein. Neu und anders als der berühmte Orientalist Edward Said, der als Erster das abendländische Orientbild als Konstrukt entlarvte, durchforstet Kramer populäre Medien wie Filme oder Jugendbücher nach Orientbildern. Er spannt einen kühnen Bogen von der griechischen Tragödie (die zu ihrer Zeit sehr populär war) bis zu den Computerspielen wie »Assassins Creed« oder »Indiana-Jones«-Filmen. Dennoch verwedelt er die Probleme nicht und bezieht Stellung gegen jegliche Form von Antisemitismus. Er illustriert, wie eng orientalisierendes Denken mit antisemitischen Vorurteilen verknüpft ist und unterstreicht diese Feststellung durch Beispiele aus dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus.
Die Lektüre des Buches ist ein Muss für jeden, der sich mit dem Nahen Osten auseinandersetzen will.«
Zitty - Das Hauptstadtmagazin für Berlin, Nr. 12 / 2009
»Die Türkei war der »kranke Mann am Bosporus«, Kurdistan noch »wild« und Emanuel Geibel hoffte immer noch »am deutschen Wesen soll die Welt genesen«, da ritt Kara Ben Nemsi »Von Bagdad nach Stambul«. Nur wenige Jahrzehnte später erfuhr die Welt durch die Berichte über Thomas Edward Lawrence, wie es am Nebenkriegsschauplatz Arabien zugegangen ist. Heute schreibt Tom Clancy darüber, was für ein finsteres Höllenloch der Iran ist, gleichzeitig lässt Ridley Scott Lessings Nathan-Stoff in Form eines Actionfilms wieder auferstehen. Das Orient-Bild des Westens ist vielfältig und wandelbar. Der Autor Thomas Kramer schlägt hier einen eleganten und intelligenten Bogen. Der vielseitig gebildete HU-Dozent weiß über die Vorstellung, die sich das mittelalterliche Europa von Saladin machte genau so viel, wie über das Computerspiel »Assassin’s Creed«. Und er kann den Bogen schlagen von Goethes »Diwan« über die Orient-Bücher des Polen Henryk Sienkiewicz bis hin zur US-Serie »J.A.G.«. Anders als so mancher Orientalist, der gepflegtes Appeasement betreibt, bezieht Kramer Stellung gegen Antisemitismus von rechts und links.
Ein kluges, lehrreiches und spannendes Buch.«
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